30 Dezember 2009

Litauisches 2009 - kulturell


War 2009 ein litauisches Jahr? Viele Menschen in Litauen lässt es eher ernüchtert zurück. Nicht nur wegen zerplatzender Illusionen, die gerade frisch ins Amt gekommene konservative Regierung würde ein besseres und für die Litauerinnen und Litauer erträglicheres Krisenmanagement auf Lager haben als ihre Vorgängerregierung. Zwar steht Litauens Image international nicht so stark angekratzt da wie das Nachbarland Lettland - von Staatsbankrott kann noch keine Rede sein. Aber wenn immer mehr Menschen im eigenen Land keine Zukunft mehr sehen, keine Chance sehen sich etwas aufzubauen (und auf Arbeitssuche in ganz Europa ausschwärmen), dann ist auch das Selbstverständnis und das Selbstbewußtsein Litauens betroffen. Gleichzeitig wird keine Litauerin oder kein Litauer, der (vorübergehend?) im Ausland lebt, vom Stolz auf sein / ihr "Litauisch-Sein" so ohne weiteres Abstand nehmen - aber zunehmend wird das Bedürfnis artikuliert, das eigene Land müsse nicht den Rückblick auf wichtige Phasen der Geschichte betonen, sondern auch etwas für die Zukunft entwickeln.

Krise mit Feuerwerk
Vor allem die Auswirkungen der Wirtschaftskrise trafen Litauen hart. Zumindest hatten sich die Verantwortlichen das Projekts "Vilnius - Kulturhauptstadt Europas 2009", die am 28.November 2008 in der litauischen Botschaft in Vilnius ihre Planungen und Projekte vorstellten, vielleicht ein positiver verlaufendes Kulturjahr gewünscht. "Vilnius soll wichtiger als Basketball werden", so wurde der Schauspieler Marijus Jampolskis in der oberösterreichischen Presse zitiert. - Nun gut, von großen internationalen Basketball-Erfolgen Litauens war 2009 auch nicht viel zu hören.

"Wer einmal in Vilnius war, schwärmt von der Schönheit dieser baltischen Stadt und der Sorgfalt und Liebenswürdigkeit ihrer Bewohner," solche Stimmungen - obwohl bei jedem Litauen-Besuch jederzeit leicht nachzuvollziehen - fanden sich in der deutschsprachigen Presse bezüglich Vilnius eher in den Vorberichten (in diesem Fall ein Zitat aus dem Schweizer Tagblatt vom 9.10.2007 - die gleiche Zeitung berichtete 2009 über die Kulturhauptstadt Vilnius übrigens nur ein mal: am 1.Januar). 

Vorfreude und Nachwehen
Aber es gab auch bei den Vorberichten schon nicht ausschließlich Begeisterung. Allerdings mahnen diejenigen, die Holocaust und Judenmord zurecht anprangern und etwas Ähnliches in der Zukunft verhindern wollen (inklusive latent vorhandenem Antisemitismus), auch völlig unabhängig vom Projekt Kulturhauptstadt - die litauische Seite hätte sich also sowieso mit diesem Thema auseinandersetzen müssen, und wahrscheinlich wären auch die einen mit dem Ergebnis zufrieden gewesen sein, die anderen eher nicht. In Vorberichten aber schon Vilnius die Berechtigung zur Kulturhauptstadt absprechen zu wollen (wie zum Beispiel Andrew Baker in DIE WELT vom 6.7.2008), erscheint da doch eher als willkommene Chance zum Beleuchten der eigenen Sache im aufkommenden Lichte der Kulturhauptstadt. (das es auch anders geht, siehe das Gespräch von Cornelius Hell mit Irena Versaite beim ORF, zum Thema Antisemitismus in Litauen, oder auch Matthias Kolb im Deutschlandradio)

Licht - ein gutes Stichwort für den Start ins Kulturhauptstadtsjahr 2009. Im weltweiten Netz diskutierten einige noch lange über die technischen Einzelheiten von Gerd Hof's spektakulären Lichtevent rund um die Kathedrale von Vilnius. Ob es nun Halogen-Metalldampflampen HMI 2500W waren, oder doch Xenon-Kurzbogenlampen XBO 7000W- jedenfalls wurde der Name des offensichtlichen Sponsors häufig genug genannt.

Selbst ausgewiesene Sozialisten (und damit potentielle Sowjet-Romantiker) mochten beim Start des Kulturhauptstadtjahres nicht abseits stehen; "der baltische Tiger springt nach Europa" schrieb am 2.Januar das "Neue Deutschland". Aber wer den "Tiger" lobt, schürt ja vielleicht auch gleichzeitig dessen Gedanken an den anderen Spruch, in dem von einem "Bettvorleger" die Rede ist. So mancher hat es beim Anblick von im Himmel verglühenden Sylvesterraketen und der bunt bestrahlten Kathedrale in Vilnius vielleicht schon geahnt: dieser leuchtende Höhepunkt kam vielleicht zu früh, um nachhaltig Wirkung zu erzielen.

Aller Anfang ist schön
Rund um den vergangenen Jahreswechsel waren die Kulturhauptstadt-Schlagzeilen am positivsten: "Auftakt zum Kulturmarathon" (news.de), "eine Tausendjährige tief im Osten" (Sächsische Zeitung), "vom Rand ins Zentrum Europas" (der Standard), "baltische Perle, blank poliert" (Die Presse) oder gar "verliebt in Vilnius" (Münstersche Zeitung).

Was danach kam, war eher so etwas wie "feiern trotz Krise". Von einer "Sparversion" war dann zu lesen, wenn die Rede auf Vilnius kam. Schon im November 2008 waren in der "Kleinen Zeitung" Warnungen zu vernehmen ("Litauen feiert sich mit teuren Werbespots"). Bereits am 3.Januar - also die Gerd Hofs Lichter waren kaum ausgegangen - schrieb der "Mannheimer Morgen": "Ein Land desertiert vor der eigenen Kultur" und schrieb von Kürzungen des Kulturhauptstadtetats um 50%. Zwei Tage später stand in der Basler Zeitung etwas von "Ein Land, verloren in der Mitte Europas" und beschrieben waren Hindernisse im Kulturaustausch mit Litauens Nachbarn Weißrussland und Kaliningrad. Und die Frankfurter Rundschau hatte schon zu Sylvester die Situation mit "schmaler, kürzer, ärmer" gekennzeichnet. Die WAZ schrieb am 12.Januar: "Neujahr strahlten sie noch, jetzt wird gespart". Nur DIE WELT wollte auch am 9.Januar 2009 ausschließlich "freudige Aufbruchstimmung" in Vilnius registriert haben.

Im März war auch bei der kommenden europäischen Kulturhauptstadt, Essen, angekommen, dass in Vilnius kaum Austauschmöglichkeiten übrig geblieben waren. Während in Bremen noch ein mehrtägiges Kulturprogramm zur Vorstellung der Kulturhauptstadt Vilnius über die Bühne gehen konnte, war anderswo von der Absage eines Treffens des Netzwerks europäischer Kulturhauptstädte (ECOC) zu lesen, dass in Vilnius hätte stattfinden sollen. Aus Protest gegen die Entlassung der Leiterin des Kulturhauptstadtbüros in Vilnius, wurde betont. Der "Österreichische Rundfunk" (ORF) - wegen der parallel erkorenen Kulturhauptstadt Linz immer besonders auch an Vilnius interessiert (und auch in vielen Sendungen darüber berichtete), bezeichnete die Vorgänge in Litauen am 9.März als "kulturpolitisches Lehrstück".

Und die Künstler?
Ja, es lässt sich durchaus beklagen, dass die kulturellen Leistungen und Veranstaltungen selbst oft leider viel weniger Schlagzeilen machen und "öffentliche" und "veröffentlichte" Meinungen beeinflussen, als die Rahmenbedingungen, ein bestimmtes "Image" eines Landes oder einer Stadt, Trends und Moden, wirtschaftliche oder politische Rahmenbedingungen. Ich habe noch keinen Jahresrückblick in der deutschsprachigen Presse gelesen, der rückblickend Vilnius als Europäische Kulturhauptstadt gewürdigt hätte. Bei keiner der inflationär gerade während Feiertagen sich vermehrender Fernsehquizsendungen wurde eine Frage nach Vilnius gestellt.
Tja, hätte mal Boris Becker seine (wievielte?) Hochzeit in Vilnius gefeiert, irgendeine Schauspielerin ihren neuen Film dort vorgestellt, Barack Obama seine Anti-Atomwaffen-Rede nicht in Prag gehalten, oder wenigstens deutsche Politiker mit (heimlichen?) Freundinnen in Litauen gesehen und fotografiert (was schon vorgekommen ist!).

Nun, immerhin: bis auf den absehbaren Geldmangel und den Personalwechsel zu Anfang des Jahres wurden in Vilnius keine weiteren Skandale produziert, die an die deutschsprachige Presse gedrungen wären. Die "Schuldfrage" wurde etwas verlagert: "die Presse" schrieb im April vom "harten Diktat des IWF" und meinte damit die (Spar-)bedingungen des Währungsfonds bei der Kreditvergabe an Litauen. Ähnlich beschrieb die Süddeutsche im gleichen Monat "Länder im Regen", und spielt dabei auf eine der möglichen Herleitungen des Namens "Litauen" an.
Ein Sängerfest wurde gefeiert - parallel zu Estland dieses Jahr - musste das sein? DIE WELT berichtet zwar, schreibt aber seltsamerweise von einem "baltischen Sängerfest". Ein "Pflichtbericht", wo doch wenigstens das Schlagwort "Sängerfeste" in Deutschland bekannt ist? Na ja, viele haben sich damit abgefunden, dass auch die drei "baltischen" Hauptstädte ständig verwechselt werden.

Hochsommer mit Palastfassade
Dann ein weiterer Höhepunkt. Zwar musste die Wiedereröffnung des ehemals zerstörten Großfürstenpalasts etwas "abgespeckt" werden, aber sie fand statt. Für den Rheinischen Merkur war Litauen damit "auf der Suche nach der nationalen Seele". "Das ist keine Hollywood-Fassade", wird hier ein örtlicher Palast-Guide zitiert, und der neue Kulturhauptstadt-Chef Kvietkauskas beteuert im Blick auf die vorgenommenen Einsparungen (jetzt ist von 40% die Rede): "die Ideen bleiben unverändert."

Vielleicht sollte man eher die Urlaubszeit abwarten mit der Berichterstattung. Da können in den Reisebeilagen verschiedener Presseorgane ungestört von öffentlicher Diskussion die "must-see" Sehenswürdigkeiten dargestellt werden: ein wenig Užupis, ein wenig "Hauptstadt der Kirchen", dazwischen einige Opern- und Theateraufführungen, bildlich stimmhaft erhänzt manchmal sogar von Luftaufnahmen der Kurischen Nehrung. Die neue Züricher Zeitung findet am 10.August mit "Leben wie die Cowboys" eine eher ungewöhnliche Überschrift für einen Überblick zu dargebotenen Vielfalt in Vilnius (geschichtlich, kulturell, aktuell). Die in Litauen durchaus nicht unbeliebten Countryfestivals werden (wie der Titel es vielleicht vermuten ließe) allerdings nicht erwähnt.

Am 24.August bietet die Deutsche Welle schon Ansätze einer Bilanz - klar, die Hauptsaison scheint vorüber. Motto: Die Litauer lassen sich ihre Freude über ihr Vilnius nicht nehmen.
Im September greift der MDR schließlich auf die bevorstehenden Jahrestage von "Mauerfall" auf (so sie deutsche Sicht - der Jahrestag des Baltischen Wegs war ja schon im August), und spiegelt die Ereignisse des litauischen Kampfes für die Unabhängigkeit in einer Sendung.

Zum Jahresende macht der Evangelische Pressedienst schließlich noch aufmerksam auf ein "Kulturhauptstadtkreuz", das im Rahmen einer Vielzahl von Veranstaltungen auf Wanderschaft gehen soll, auch 2011 in "Tallin". Na gut, so etwas hätte auch im katholischen Litauen vielleicht Anklang gefunden - aber von dort wurde ja immer wieder betont, eher ein modernes Litauen dem Ausland darstellen zu wollen, abseits von Vorurteilen und Schablonen. Nun, ob in Essen gerade das Kreuz innovativ wirkt (und ob es dann auch in Tallinn ankommt), muss abgewartet werden.

Und was tun, wenn nicht fliegen?
Nein, das Programm der Kulturhauptstadt Vilnius 2009 war kein bewusst umwelt-grün-angestrichenes. Auch wenn zu Jahresanfang der Zusammenbruch der halbstaatlichen Fluggesellschaft FlyLAL umweltfreundliches Reisen hätte nahelegen können - Konkurrent AirBaltic eröffnete die Direktverbindung Berlin-Vilnius pünktlich zum Jahresabschluss. Nie wurden im litauischen Kulturhauptstadtjahr so viele Litauer/innen in Riga und in Bremen gesehen (nächste erreichbare Billigflieger). 10.000 Mitarbeiter/innen der Touristikbranche hätten im Zuge der Flieger-Pleite ihren Job verloren, war bei der Deutschen Welle zu lesen. Nein, dass bei solchen Zahlen Vilnius unbesucht von Touristen bleibt, und die Litauer/innen selbst auf Arbeitssuche in Europa gehen müssen, dass ist diesem schönen Land wirklich nicht zu wünschen.
Deutschsprachige werden allerdings ein wenig raten müssen, was die Kulturhauptstadt Vilnius 2009 eigentlich war - ein großer Teil der bereits erstellten deutschsprachigen Seiten wurden wieder vom Netz genommen. Da bleibt uns zur Kommunikation - falls nicht Lithuanist/in - nur "the most popular language of the world: bad English".

09 Dezember 2009

Litauischer Abend - ohne Sportlerkrone

Litauens favorisierte Sportart ist landesweit immer noch mit weitem Abstand Basketball. Aber als am vergangenen Samstag die Mannschafts-Weltmeister- schaften der Lateinamerikanischen Tänze in Bremen stattfanden, da konzentrierte sich das Interesse vieler litauischer Sportfans ausnahmesweise mal auf die norddeutsche Hansestadt. Denn obwohl auch das Formationstanzen durchaus als "litauischer Nationalsport" angesehen werden kann - dank der vielen Erfolge der Mannschaft von ŽUVĖDAS (dem Klub "Seemöve") aus Klaipėda - haben die Litauer kaum eine Möglichkeit, die Wettkämpfe LIVE vor dem heimischen Bildschirm zu verfolgen. Selbst bei den diesjährigen Europameisterschaften war das so - sie wurden in Litauen ausgetragen, aber wer keine Eintrittskarte ergattern konnte oder wem diese zu teuer war, der konnte den Wettbewerb erst einige Wochen später im litauischen Fernsehen als Aufzeichnung sehen. 

Nun, wie viele litauische Fans am vergangenen Samstag im AWD-Dome in Bremen dabei waren, wissen wir nicht. Immerhin kommen bei Veranstaltungen der Litauische Gemeinschaft in Bremen manchmal über Hundert Litauerinnen und Litauer zusammen. Aber nachdem die deutschen Medien kein Interesse zeigten, auch mal aus diesem besonderen Anlass aus der Perspektive von Litauern zu berichten, die in Bremen lebten, sagten sich die Litauer: "Gut, dann feiern wir aber trotzdem!"

Star des Abends war also nicht die Seemöve aus Klaipeda (die diesmal am Ende auch nur den 2.Platz belegten), sondern die Sängerin und Entertainerin Birutė Dambrauskaitė, die in Bremen am 5.Dezember ein Sonderkonzert gab. Eingeladen hatte die Litauische Gemeinschaft, und alle die dabei waren konnten ein ganz besonderes Konzertereignis.

Dambrauskaite? Fragen, wer das denn genau sei, werden hier wohl nur Nicht-Litauer/innen stellen. Schon eine Warteschlange am Flughafen geriet zum Autogrammmarathon (da Bremen ja eine Flugverbindung nach Kaunas hat). Jahrzehntelange Bühnenerfahrung, Liebe zum Publikum, und mit Gefühl und einer Menge Energie vorgetragene Lieder machen Birutė Dambrauskaitė zu einer der beliebtesten Entertainerin Litauens. Allerdings nicht zu Zeiten der Sowjetunion: da sie auch jiddische und polnische Lieder und Kompositionen bekannter litauischer Künstler aus den 30er Jahren im Programm hat, konnte sie zwar auftreten, aber eine besondere Förderung bekam sie nicht. Nach dem Abschluß der M.K. Čiurlionis Kunstschule, (im Fach Chordirigieren) trat Dambrauskaitė jahrelang im Restaurant "Dainava" in Vilnius auf - sozusagen als "Alleinunterhalterin". Immerhin lernte sie hier den Jazzpianisten Vyacheslav Ganelin kennen und trat mit ihm zusammen auf. 
Weniger bekannt ist heute vielleicht, dass sie auch bereits 1968 eine Hauptrolle in Litauens legendärem Musical "Velnio Nuotaka" (des Teufels Braut) hatte (sie spielte die Ursule - siehe Informationen des Litauischen Filmzentrums). 1969 bekam Dambrauskaitė den "Preis des polnischen Liedes), 1975 wurde sie beim Festival "Vilniaus boskstai" (Türme von Vilnius) ausgezeichnet.

Die eigentliche Karriere der Birutė Dambrauskaitė begann jedoch erst nach der Wende zur Freiheit Litauens. Nun ist sie ständiger Gast in verschiedenen Fernsehshows, spielte in drei weiteren Filmen mit (1997 in „Ar yra Venecija?“ 2001 „ Kurto Weillio  moterys“ 2005 „ Meile ir mirtis Veronoje“), und als kürzlich ein anderer litauischer Sänger, Zilvinas Žvagulis, Konzerte in Dubai(Arabische Emirate) gab, drängte er solange bis auch Dambrauskaitė dort ein Konzert gab. Für Neues, für Experimente ist sie sich also nicht zu schade. Im Gegenteil: ihre Bühnenshow, ihre Professionalität im Gesangsvortrag, und ihre persönliche Präsenz ist so hoch, dass auch des Litauischen Unkundige mitgerissen werden und beeindruckt sind.

Dabei hat Dambrauskaite auch einige persönliche Probleme mit viel Lebensmut überwunden. Jahrelang hatte sie mit Übergewicht und gesundheitlichen Wehwehchen zu kämpfen, ihr geliebter Mann starb vor einigen Jahren. Aber ihre künstlerische Bandbreite ist erstaunlich: 1995 sang sie im Duett mit Opernsänger Virgilius Noreika, scheut sie sich aber bei ihren Konzerten auch nicht, bekannte Schlager zu singen und damit ihr Publikum zu Begeisterungsstürmen mitzureissen. Auch das Blues-Feeling ist ihr keineswegs fremd - so als ob dieses in Litauen erfunden worden sei. Und als Ergebnis ihrer vielen Methamorphosen kennen sie dann wiederum andere auch als "Primadonna der Estrada-Musik".

2007 wurde Dambrauskaite Trägerin des Antanas-Šabaniauskas-Preises (benannt nach einem der berühmtesten litauischen Sänger der 20er und 30er Jahre). Da wagt ihre neu erschienene CD noch zu fragen „Ar pažinot mane?" (Kennen Sie mich?) Diejenigen, die es am 5.Dezember zu ihrem Konzert nach Bremen geschafft hatten, die haben sie kennengelernt. Wahrlich mit Leib und Seele!

Birutė Dambrauskaitė bei "Music.lt"

Über Birutė Dambrauskaitės Buch "Esu, kokia esu" ("Ich bin was ich bin")

Mehr Fotos vom Gastauftritt bei der Litauischen Gemeinschaft in Bremen

Live-Ausschnitt 

12 November 2009

Litauische Prinzessin für Vechta

Die Zeiten litauischer Herzöge und Könige sind eigentlich lange vorbei. Aber vielleicht lässt sich so manchen wieder aufleben, wenn litauische und deutsche Traditionen vermischt werden.

Im niedersächsischen Vechta, ein hübsches Städtchen mit 30.000 Einwohner im Oldenburger Münsterland, ist nun eine litauische Prinzessin gekrönt worden. Ja, richtig, ob sie von litauischem "blauen Blute" ist, das ist nicht bekannt.  
Bekannt ist aber, dass "Jolanta die Erste" in Vechta zunächst ihren Prinz Matthias fand, und beide am 11.11. zu "Prinz und Prinzessin" des örtlichen Karnevalsvereins berufen wurden.

Mit einem dreifachen "Vechta Helau" wurden sie im Rathaus begrüßt, so berichtet die Nord-West-Zeitung.
So eine Regentschaft ist ja manchmal nicht billig. Aber vielleicht fällt diesmal ja auch noch etwas Werbung für die Druckerei Ostendorf in Vechta dabei ab - denn im "bürgerlichen Leben" ist Prinz Matthias dort Juniorchef.

Karnevalsklub Vechta

Stadt Vechta

30 Oktober 2009

2010 keine Euro-Einführung

Verschnaufpause für Euromünzen-Sammler! Das verkündet ein Beitrag in der neuen Ausgabe des "Deutschen Münzenmagazins". Als gesichert wird dort bezeichnet, dass es in den kommenden 2 Jahren keine neuen Euroländer geben wird. Zwar werden gleichzeitig die bereits seit Jahren im Entwurf feststehenden künftigen neuen Euromünzen aller drei baltischen Staaten vorgestellt, aber dem wird eine Einzelanalyse zu jedem Kandidatenland gegenübergestellt.  

Folgende Aussage wird dabei zu Litauen getroffen:
"Eisern hält die Regierung zwar noch immer an ihrem neuen Zieldatum 2012 fest, doch Experten sind skeptisch, ob die Haushaltsprobleme des Landes bis dahin gelöst sind. 2015 gilt aus heutiger Sicht als realistischer."


Für Estland halten die Autoren des Münzmagazins das Beitrittsdatum 2012 eher für realistisch. Für Lettland wird eine Aussage der lettischen Zentralbank zitiert, die "frühestens 2014" derzeit prognostiziert.
Mal sehen, ob es ähnlich wie beim EU-Beitritt ausgeht. Da wurde auch erst Estland als einziges beitrittsfähiges Land angesehen, später haben die Entscheidungsträger eingesehen, dass ein gemeinsamer Beitritt doch sinnvoller war. (Abbildungen: Deutsches Münzenmagazin)


29 Oktober 2009

Grußadresse an Guido

Die Glückwunschbotschaft, die Litauens Außenminister Vygaudas Ušackas seinem neuen deutschen Amtskollegen nur wenige Stunden nach seiner Ernennung als zukommen ließ, zeugt von Würdigungen wie auch von Erwartungen. 

Gemäß einer Pressemitteilung des litauischen Außenministeriums (leider nur Englisch) habe Ušackas darin seine Hoffnung ausgedrückt, dass die deutsch-litauischen Beziehungen auf den Gebieten Politik, Wirtschaft und auch anderen in Zukunft noch enger werden. 
Ušackas hob hervor, dass die Bundesrepublik Deutschland für Litauen ein wichtiger Partner in EU und NATO sei, und drückte seine Zufriedenheit aus über den gegenwärtigen Stand der bilateralen Handelsbeziehungen. Entsprechend dem Außenhandelsvolumen sei Deutschland momentan der drittgrößte Partner Litauens. 

Ušackas hob außerdem die Bedeutung des 9.November hervor, denn der Fall der Berliner Mauer habe auch einen Anstoß gegeben für demokratische Bewegungen in ganz Osteuropa. 
Außerdem nannte Ušackas das "deutsch-litauische Forum" als eines der wichtigesten Beispiele bilaterialer Kooperation und drückte sein Vertrauen darin aus, dass gemeinsame Werte, Ideen, Interessen und Projekte diese Beziehungen zu stärken in der Lage seien.

Schließlich fügt das litauische Außenministerium für alle Leser/innen dieser Pressemitteilung noch hinzu: "G.Westerwelle ist ein Politiker und Chef der Freidemokratischen Partei. Am 27.September gewann seine Partei bei den Bundestagswahlen 14,6% der Stimmen und bildete zusammen mit der Christdemokratischen Union / Christsozialen Union eine Koalitionsregierung, die von Angela Merkel angeführt wird." 

Na dann: an die Arbeit, meine Damen und Herren!

27 Oktober 2009

Vilnius als Projekt

Die litauische Hauptstadt Vilnius steht dieses Jahr als Europäische Kulturhauptstadt besonders im Fokus des Interesses. Vielleicht wird sich das durch ein Projekt in Zukunft noch optimieren lassen, das durch eine Gruppe von Studierenden aus drei Universitäten in Litauen, Polen und Deutschland gerade vorbereitet wird.
Der "Lauterbacher Anzeiger" zufolge ist Ihr Ziel: einen GPS-gestützten, dreisprachigen Reiseführer für Vilnius. Diesem Zeitungsbericht zufolge geht es einerseits um die Thematik der Holocaust-Aufarbeitung, andererseits um Studierende der Germanistik.

Weniger profan klingt die Zielsetzung des Studienprojekts dann schon auf der Hompepage der Studierenden selbst: Ziel sei die "interdisziplinären, multilateralen Erforschung der Rolle von Sprache und Literatur in nationalen und regionalen Identitätsfindungs- und Erinnerungsprozessen sowie der Komplexität solcher Identitätsfindungsprozesse in heterogenen Literaturlandschaften". 
Etwas einfacher zusammengefasst, wird Vilnius hier als "ideales Beispiel einer multinationalen und -kulturellen Literaturstadt" definiert. 

Vom 1.-14.Oktober 2009 waren die drei Gruppen der Studierenden nun zum ersten Mal an der Universität Gießen zusammen. Wer sich den Ablaufplan des dortigen Projekts ansieht, dem mag auch klar werden, wo die Schnittmenge zwischen den beiden Schlagworten vom "Reiseführer / Kneipenführer" und den "Literaturlandschaften" liegen soll: Projektziel ist die Erstellung eines "literarischen Reiseführers" (da werden sie das Buch von Claudia Sinnig als Vorbild haben?). Wollen wir hoffen, dass das Projekt gelingt, auch wenn die Partner in Litauen nicht etwa von einer Hochschule in Vilnius selbst kommen, sondern ...  aus Kaunas.

21 September 2009

Die Pilze sprießen wieder ...

Nach dem Regen ... - die Pressemeldungen
Regelmäßig versuchen wir im Litauen-Blog Themen zu finden, die auch diejenigen interessieren könnten, deren Lebens- oder Interessenmittelpunkt nicht nur Litauen ist. Es wäre vielleicht Zeit zu offenbaren, welches Thema, dass mit schöner Regelmäßigkeit immer im Spätsommer seinen Höhepunkt hat, auch hier die umfangreichste Stammkundschaft hat. Woche für Woche interessieren sich in dieser Jahreszeit über 30 Leser/innen dieses Blogs pro Woche nur für eines: für Pilze.

Gerai, grybai! Klar, sagen Sie nun vielleicht - also doch Litauen-Fans! Aber die Erklärung ist einfacher: es handelt sich nicht einfach um Pilze, sondern zu 95% konzentriert sich das Interesse nur auf Pfifferlinge (Cantharellus cibarius). Ein Blogbeitrag vom Dezember 2005 hatte es angestossen: fast genauso intensiv, wie die Litauer/innen im August / September jedes Jahr auf Pilzsuche gehen, suchen die Deutschen nach Ratgebern für den Einkauf im Supermarkt. Mögliche radioaktive Rückstände (die Pilze besonders lange speichern können) oder andere Schadstoffe sind dabei die Leitthemen. 

Böses aus dem Osten?
Was gibt es Neues dazu? 2005 mögen Importe aus dem neuen EU-Mitglied Litauen ja noch ungewöhnlich und deren Qualität eher unbekannt sein. Noch dazu geht ein Teil der Fragen dahin, ob nicht Ware mit einem Schild "aus Litauen" nicht auch aus anderen Ländern weiter östlich kommen könnte, also Litauen in diesem Fall nur ein Zwischenhandelspartner wäre. Pilze in und aus Weißrussland oder der Ukraine haben nachweislich eine höhere Belastung mit Radioaktivität. Also würde hier eine bessere Warenauszeichnung schon helfen?

Fakt ist, dass die deutschen Verbraucher sehr sensibel auf mögliche Radioaktivität reagieren - die Intensität, mit der im Internet nach eine möglichen Kombination von "Litauen" und "Radioaktivität" gesucht wird, zeigt es. Litauens Pläne, nach Schließung des Tschernobyl-Reaktors Ignalina eventuell gleich ein neues AKW zu bauen, wird die Unsicherheit gegenüber Waren aus Litauen vermutlich eher befördern - obwohl Technologie-Fans ja immer bei Neubauten erstmal das Gegenteil behaupten.

In diesem Monat ging nun ein neues Thema durch die Presse: Reste von Insektenschutzmittel in nach Deutschland importierten Pilzen. Von "Insektenabwehrmittel in frischen Pfifferlingen" hatte "Umweltruf" schon am 24.Juli 09 berichtet (oder auch "Top-News", ähnlicher Inhalt am 18.9.09). Diese Informationen stammen offenbar aus dem Umweltministerium NRW, und beziehen sich auf die Verwendung von DEET (Diethyltoluamid), einem Wirkstoff zur Abwehr von Steckmücken und Zecken. Die im "Umweltruf" und anderswo vielfach veröffentlichten Angaben gestalten sich allerdings sehr vage: 16 von 54 in den Jahren 2007 und 2008 untersuchten Pilzproben aus dem Handel seien mit zu hohen Grenzwerten an DEET gemessen worden. Im Folgenden werden dann EU-Länder und Nicht-EU-Länder zusammengeworfen: Litauen, Rumänien (wer weiß schon, dass auch dieses Land inzwischen zur EU gehört?), Polen und Russland. 8 der 13 beanstandeten Proben kamen aus Russland, ganze 2 aus Litauen. "Die Proben aus Polen wiesen keine Belastung auf", steht hier sogar.

Untersuchungen, Vermutungen, Bewertungen 
Was müssen wir heraus schließen? Ich möchte nicht spekulieren, ob Pilze aus Litauen eher von polnischen Großhändlern auf dem deutschen Markt angeboten werden, oder die beanstandeten "litauischen" Pilze überhaupt in Litauen gesammelt waren. Das steht in solchen Kurzberichten regelmäßig nicht so genau dabei (weil es nicht mit überprüft wird).  

Zwei Fakten aber bleiben: 

a) DEET-Belastung ist ein interessantes Thema, denn es geht hier um Wirkstoffe, die erst NACH der Ernte von den Handelsfirmen aufgebracht werden; 82 solcher Biozide sind AUCH IN DEUTSCHLAND zugelassen und auf dem Markt (BfR)

b) NRW-Umweltminister Uhlenhorst gibt zu, dass ein Gesundheitsrisiko nur darin liegen könnte, dass Lieferungen aus Nicht-EU-Staaten nicht sorgfältig genug in dieser Hinsicht kontrolliert wird (also Pilze aus Russland). (siehe auch Pressemeldung Katalyse-Umweltinstitut)

c) die Unterschiede liegen oft in der Behandlung des Themas in den Medien. So könnten über der erwähnten Pressemeldung zwei ganz unterschiedliche Schlagzeilen stehen, zum Beispiel: "Warnung vor Pilzen aus Russland", oder "Gesundheitsrisiko bei Pilzen aus Osteuropa". Die Angst und das Unwissen gegenüber allem, was östlich des Berliner Reichstages liegt, ist immer noch sehr groß!

Pfifferlinge und Tierversuche 
Und sonst? Schauen wir doch einmal im Originaltext des Gutachtens zu DEET des "Bundesinstitutes für Risikobewertung" (BfR) nach. Die Verfügbarkeit dieser Informationsquelle erwähnen nur die wenigsten Presseberichte zu diesem Thema.

Hier lernen wir verschiedenes.

1) Um mögliche Auswirkungen von DEET zu testen, werden Tierversuche mit Hunden herangezogen. Während bei Menschen 0,75 Mikrogramm DEET pro kg Körpergewicht und Tag als unbedenklich angesehen wird, wurde bei diesen Hunden das Zehnfache als unbedenklich eingestuft (also bekamen sie auch mehr als das Zehnfache verabreicht!). Untersuchungsergebnis ist hier also nur: "der Sicherheitsabstand bis zu der Menge, bei der im Tierversuch eine schädliche Wirkung einsetzt, wird als bei weitem ausreichend angesehen." (BfR). Im weiteren ist im BfR-Bericht auch von DEET-Versuchen mit Ratten und mit "menschlichen Freiwilligen" die Rede.

2) Wir lernen: die BfR kann Untersuchungsergebnisse bekannt geben (auf die sich dann Minister bei der Schlagzeilenproduktion stützen), obwohl sie selbst gar keine neuen Forschungen getätigt hat. Im Bericht steht nämlich, dass sich alle Bewertungen auf eine Untersuchung aus Schweden zur Gesundheitsgefährung von DEET stützt. Die BfR hat also lediglich Warenproben auf ihren DEET-Gehalt messen lassen (und Tierversuche in Auftrag gegeben?). Warum fragen die Minister, wenn sie zu DEET etwas wissen wollen, also nicht direkt in Schweden an - zitieren in der Presse aber einen Bericht, in dem mehr von Tierversuchen die Rede ist als von Pilzen? Angst und Unsicherheit gegenüber Osteuropa also als Mittel zum Zweck der Rechtfertigung von Tierversuchen?? - Aber nein, einfacher für die deutschen Medien war es wohl, die 15-Zeilen-Meldung aus Ministerhand zu zitieren. 

Und wenn doch mal etwas gefunden wird?
Lobenswert sind da Berichte wie in der "Ärztezeitung" - hier ist lediglich das sachliche Untersuchungsergebnis, nicht aber ein Rückschluß auf bestimmte Herkunftsländer zu lesen. Und auch ein anderer Bericht aus Ärztesicht ist lesenswert: ein Tagungsbericht von Amtstierärzten in Mecklenburg-Vorpommern vom 1.7.2009 - dort sind bei Pilz-Stichproben auch Daten zu Ware aus Deutschland nicht ausgenommen, und siehe da: auch diese ist nicht immer einwandfrei. Und: hier wird auch mal der Diskussionsstand unter den Sachverständigen verschiedener Bundesländer zusammengefasst. 
Und es steht hier auch Erstaunliches nachzulesen: was passierte eigentlich 1999, als bei Kontrollen Pilze aus Russland mit einem überhöhten Gehalt an Radioaktivität von 2.100 Bq/kg festgestellt wurden? "In BY in einem Müllkraftwerk vernichtet". (BY = Weißrussland). Aha, nicht einmal von "Entsorgung" ist hier noch die Rede, und Weißrussland ist ja eh radioaktiv belastet - also Entwarnung für Deutschland?

Und noch eine Bemerkung, so kurz vor den deutschen Bundestagswahlen: Behauptungen, Parteiprogramme oder Politikersprüche seien in der Regel "keinen Pfifferling wert", haben ebenfalls kaum ursächlich direkt etwas mit Litauen zu tun, gelten dort aber wohl ähnlich. 

Nachtrag: hier noch die Ergebnisse einer neueren Messung der Jahre 2008, 2009 und 2010 (Umweltruf März 2011)

19 September 2009

Zu Gast bei dreimal Null



Mehr als null Erkenntnis brachte offenbar der Besuch deutscher Schachspieler in Kaunas. Anlaß ein Schachturnier des Klubs "0-0-0-" der Landwirtschaftlichen Universität Kaunas. Hierzu findet sich ein ausführlicher und - wegen der vielen Fotos - sehr anschaulicher Bericht auf "chessbase.de".

Gewinner waren drei Balten: der litauische Großmeister Šarūnas Šulskis, vor den beiden Letten Normunds Miežis und Arturs Neikšāns. Das wird vielleicht einige der Interessierten dazu bringen, sich auch einmal etwas mehr für die litauische Schachwelt zu kümmern - eine Internetseite (chess lyga - Šachmatų naujienos) gibt es bereits, doch durch die litauischsprachigen Tabellen und Begriffe muss sich der deutsch- oder englischsprachige "hindurchkämpfen". Immerhin lernen wir schon mal, dass der litauische Begriff "šachmatai" ganz einfach die Übersetzung des Wortes "Schach" ist (na ja, "Schachmatt" ist ja auch immer das Ziel des Spiels...)

Die beiden Berichterstatter für "Chessbase News" jedenfalls, Fabrice Wantiez und André Schulz, berichten (erfreulicherweise in Deutsch) auch über andere Erfahrungen und Erlebnisse, über aus ihrer Sicht Wissenswertes zu Kaunas und zu Litauen. Das reicht von der Schlacht bei Tannenberg über verschiedene andere geschichtliche Ereignisse bis zu schönen Fotos aus Kaunas und Porträts von einzelnen Teilnehmern des Schachturnieres. Nicht unerwähnt bleiben auch diejenigen Politiker, von denen bekannt ist, dass sie Schach miteinander spielten - so zum Beispiel Vytautas Landsbergis und Otto Schily (Landsbergis siegte 3:0). 
Interessant auch zu lesen, dass weltweit gesehen aus der litauischen Schachwelt den höchsten Bekanntheitsgrad eine Frau genießt: Victorija Cmylite, welche die Berichterstatter als "zur erweiterten Weltspitze gehörend" beschreiben (ein älteres Interview mit Cmylite findet sich schon bei "Schachlinks.com").

Litauische Schachvereinigung  ----   Bericht CHESSBASE NEWS

08 September 2009

Stadtgründer kehren heim

Der Legende nach ist die litauische Hauptstadt Vilnius dort erbaut worden, wo Gediminas den Wolf heulen hörte. Allerdings geschah das im Traum - und am Morgen musste ein Traumdeuter dem Großfürst erst erklären, dass dort wo der Wolf heulte die zukünftige Hauptstadt Vilnius erbaut werden sollte.

Daraus kann vielleicht nicht geschlossen werden, dass Stadtgründungen von Wolfsvorkommen abhängen würde (es bräuchte ja immer noch einen Großfürst, um davon zu träumen!), Vilnius soll 1323 dadurch gegründet worden sein, dass Gediminas den Sitz der Hauptstadt seines Reiches dorthin verlegte, wo er den Wolf heulen träumte.
Dass es auch heute noch Wölfe gibt, die Schlagzeilen machen, ließ zuletzt sogar deutsche Medien von Litauen schreiben. Im Blickpunkt stehen hier vor allem "Allan" und "Karl", zwei in der Lausitz ausgesetzte(ausgewilderte) Tiere, die durch dieses Projekt offenbar interessanter werden als ihre übrigen, oft mit schrecklichen Geschichten menschlicher Angst vor der "wilden" Natur belegten Artgenossen.
Aber ein seltsames Schicksal erleiden diese Tiere dennoch. In Ruhe ihr Leben genießen können sie wohl nicht - denn heutzutage reicht es wohl nicht, wenn ihre Bewegungen und Aktionen von der Wissenschaft verfolgt werden mit dem Ziel, ihren ökologisch notwendigen Lebensraum zu sichern.

Nein, weit gefehlt. Wo Wölfe herumlaufen, und wie das was sie machen, einzuordnen ist, entscheidet heute die Klatschpresse, und aktuelle Fotos vertreibt die Deutschen Presseagentur (DPA). "Forscher vermissen das mit Sendern ausgestattete Raubtier" - so wusste schon im März diesen Jahres die BILD (den Zusatz "Zeitung" spare ich mir hier).

Es klingt wie eine Mischung aus technologischer Spielerei und Zootier-TV, was hier in regelmäßigen Abständen der Presse "zum Frass" angeboten wird. "Eigentlich sollte der Wolf seine Position per SMS durchgeben", schreibt doch tatsächlich am 23.März die BILD. Offenbar ein besonders kluger Wolf, und ebenso offenbar eine Gradwanderung für Naturschützer und Biologen, die das Auswilderungsprojekt betreuen. In einem Land, in dem an jedem Tag auf mehreren Sendern das (angebliche) Leben eingezäunter Zootiere haarklein geschildert und mit meloharmonischer Musik untermalt gezeigt wird, ist ein Wolf, der einfach "irgendwo" herumläuft, offenbar den Projektzielen wenig dienlich.

Nun ist "Alan" nach Litauen ausgewandert. Dort wurde er Teil des "Sommerlochs" in der deutschen Presse, könnte man meinen (Bericht BILD am 1.9., Frankfurter Rundschau am 5.9.). Vielleicht auf der Suche nach dem "barocken Labyrinth" - so wie Cornelius Hell das Vilnius von heute und den Zusammenhang mit dem "eisernen Wolf" aus der Legende beschreibt? Oder wollte er Werbung für Litauen als Naturlandschaft machen? Denn nun berichten auch Greenpeace, der NABU, die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzdW), und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) über diese "Auswanderung nach Litauen".Da mag auch "Polen today" nicht abseits stehen und berichtet mit der Schlagzeile "Wolf hat Schengen-Raum verlassen".
Aber genauso interessant erscheint das Thema offenbar den "4x4-Offroad-Touren", dem "etwas anderen Jagdtagebuch" des Jagdvereins Lehrprinz e.V., der Zeitschrift "Wild und Hund" - und letztere werden vermutlich genauso vergnüglich berichten, wenn die GPS-Wölfe mal wieder alle ihre Vorurteile bestätigen.

Also, liebe Litauerinnen und Litauer, liebe Urlauber: falls Sie beim wohlverdienten Schlaf auf Litauens Wiesen oder Hügeln von einem Wolf träumen, lassen Sie sich bitte nicht hindern, wenigstens eine Stadt zu gründen!

Link zum Projekt: Wolfsregion Lausitz

27 August 2009

Litauische Arbeiter demonstrieren vor deutscher Botschaft

Das hat Litauen noch nicht gesehen: Mitarbeiter der Supermarktkette "IKI" demonstrieren vor der deutschen Botschaft in Vilnius. Sie möchte damit auf die Verantwortlichkeit des deutschen REWE-Konzernes hinweisen, die mit fast 50 Prozent an der Gesellschaft "Palink-IKI" beteiligt ist. Organisiert wurde der Protest, an dem zugegebenermaßen gerade mal ein Duzend Menschen teil genommen hat, von der hauseigenen Gewerkschaft.

Eine der Gewerkschaftführerinnen, Irina Judina, wurde gerade vergangene Woche entlassen, ihrer Meinung nach wegen ihrer Versuche, dass wenigstens die vertraglich garantieren Gehälter und Arbeitszeiten eingehalten werden sollen. Die Gewerkschaftdelegation plante dem deutschen Botschafter eine Petition zu überreichen, in der die Arbeitsbedingungen eines normalen "IKI"-Mitarbeiter geschildert werden: Offiziell liegt das Brutto-Monatsgehalt bei rund 290 Euro (990Lt) pro Monat und das bei Lebenshaltungskosten die nicht weit von westeuropäischen entfernt sind. Überstunden werden zumeist nicht vergütet und die Mitarbeiter in der Wirtschaftskrise zu "freiwilligen" Kündigungen genötigt, um Abfindungen zu umgehen.

Die PR-Chef von "IKI", Valdas Lopeta, wies hingegen die Anforderungen zurück: Es würden auch in den jetzigen schweren Zeiten keine Mitarbeiter entlassen, und das firmeninterne Prämiensystem funktioniere. Vielmehr gehe es hier um die Profilierung einer Gewerkschaft wegen einer einzigen entlassenen Mitarbeiterin.

80 Prozent der „Palink“-Aktien werden von der Europäischen Handelsallianz "Coopernic“ gehalten, zu der der zweitgrößte deutsche Handelskonzern REWE, zusammen mit „Colruyt“ (Nr. 3 in Belgien), „Conad“ (Nr. 2 in Italien), „Coop“ (Nr. 2 in der Schweiz) sowie „E.Leclerc“ (zweitgrößter in Frankreich) gehören.

Egal, wer nun Recht hat: Die Auseinandersetzung zeigt sowohl die internationale Verflechtung der Handels- und Wirtschaftsstrukturen als auch die Bedingungen der Supermarktmitarbeiter in Mittelosteuropa.

Quellen:
Bericht im Internetnachrichtenportal delfi.lt (Litauisch)
http://www.delfi.lt/news/economy/business/profsajungos-prie-vokietijos-ambasados-peike-iki.d?id=23766188
Bericht im "eko-blog" (Litauisch)
http://ekoblogas.wordpress.com/

08 August 2009

Litauische Perspektiven, eingedeutscht

Unterschiedliche Perspektiven aus der Sicht von Litauer/innen in Deutschland offenbaren verschiedene Pressemeldungen dieser Tage. Die einen kämpfen um eine eigene Perspektive in einem neuen (bisher fremden) Land, die anderen hintergehen die Gutgläubigen aus den eigenen Reihen.

Sprache für`s Leben
"Irgendwann ist es mein Land", diese Schlagzeile findet das Wiesbadener Tagblatt für den gelebten Optimismus einer jungen Litauerin in Deutschland. Offenbar zog die Mutter nach Deutschland, denn diese bezeichnet die junge Frau als entscheidenden Bezugspunkt für die Wahl, nach Deutschland zu gehen. Von Vätern oder Männern ist in dieser Geschichte nicht die Rede. Sandra Poskaité ist erstaunlich offen, und erzählt auch von Schulabbruch, Sprachschwierigkeiten, Drogen und Alkohol unter Jugendlichen. Doch eines lehnt Sandra entschieden ab: "rummachen mit vielen Partnern". - Und was ist ihr am wichtigsten: Deutsch lernen. Ein Leben als Putzfrau oder Aushilfe irgendwo, eine Arbeit und ein Alltagsleben also, wo Kommunikation und gemeinsame Sprache scheinbar egal sind - nein, dann doch lieber per VHS Schulabschluss nachholen und unbezahltes Praktikum in einer Kindertagesstätte. "Sich hocharbeiten", so könnte man es wohl nennen.

"Ich habe Leute in Litauen kaputt gehen sehen," offenbart Sandra der Wiesbadener Presse. Und noch mehr: Litauen sei ein wunderschönes Land, aber wenn man nicht mal genug verdienen kann, um die eigene Familie zu ernähren, dann kommt der Frust. "Wir haben kein richtiges Parlament, keine Bildungsmöglichkeiten, keine Jobs", meint die junge Litauerin, und schließt daraus: "irgendwann muss man eben dahin gehen, wo es besser ist."

Genau das Gegenteil von "sich hocharbeiten" will eine andere Gruppe von ganz anderen Litauern in Deutschland offenbar. Schnell zu Geld kommen ist ja ein beliebtes Motto - und wie mache ich das, wenn mir sonst nichts einfällt, und mir die Schicksale der anderen egal sind? "Ich bin's, Oma, ich brauche Geld". "Gauner zocken Landsleute ab" berichtet die Augsburger Allgemeine. Der Trick ist ja auch schon in deutschen Landen bekannt, mit meist älteren Leuten als Opfer: einfach mal anrufen, Vertrautheit vorgaukeln, so nach dem Motto
"Ich bin's, der ...."
"Karl-Otto, bist du's?"
"Ja, genau!"

Eine Telefonnummer in Litauen
Nun also der Trick in litauischer Variante. Die Opfer werden zu Hause angerufen und nach Angaben von Polizei und Presse mit der Geschichte konfrontiert, dass ein Verwandter in Osteuropa einen Unfall mit Todesfolge verursacht habe und von der Polizei dort festgenommen wurde. Die Betrüger behaupten, dass dem Verwandten jetzt eine langjährige Haftstrafe drohe. Nur bei der Zahlung einer Kaution oder von Schmerzensgeld könne der Angehörige freikommen. Wer's glaubt, bekommt eine Telefonnummer in Litauen. Von dort aus werden Anweisungen gegeben, wann und wo ein "Bote" kommt, um das Geld abzuholen.

Offenbar werden solche Geschichten geglaubt. Warum? Ist es das Zusammengehörigkeitsgefühl von Volksgruppen im Ausland? Oder die Alltäglichkeit ähnlicher Vorfälle? In der Mehrzahl der Fälle ließen sich die Angerufenen nicht täuschen - aber Summen von Tausenden von Euro sind den Betrügern offenbar Ansporn genug.

Allerdings: in Presseartikeln wie der "Augsburger Allgemeinen" geht es ziemlich wild durcheinander. Um wen geht es eigentlich? Da ist die Rede von "Landsleuten aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks". Wie - feiern hier die "Sowjetbürger" Auferstehung, die schon das versunkene Zwangssystem vergeblich erschaffen wollte? Da könnte man ja auch von "Landsleuten der alten EU-Staaten" reden oder schreiben, und Italiener, Deutsche, Franzosen oder Belgier allesamt in einem Topf zusammenrühren.

Dann sind da auch so Aussagen wie "Die Betrüger behaupten, dass dem Verwandten jetzt eine langjährige Haftstrafe in einem osteuropäischen Land droht". In einem osteuropäischen Land? Geht es hier um Angst vor den Zuständen in der eigenen (litauischen?) Justiz, oder um Angst vor den Nachbarn? Sehr wahrscheinlich, dass die deutschen Journalisten, die hier aktiv waren, sich darum wenig kümmern. Vielleicht sollen auch eher die Ängste der (deutschen) Leser angesprochen werden? Haft in Osteuropa - verschollen in einer rostigen, stinkenden Zelle?

Und zum dritten noch ein Zitat aus der Augsburger Allgemeinen: "Die Ermittler der Augsburger Kripo vermuten allerdings eine weit höhere Dunkelziffer, da derartige Sachverhalte von russischstämmigen Bürgern nicht immer angezeigt werden." Aha - also geht es um Russen? Die von Litauen aus betrogen werden? Hmm. Oder sind nun alle Litauer plötzlich russischsprachig? So ganz nah scheinen sich die eifrigen Rechercheure der deutschen Presse an die wirklich Betroffenen nicht herangewagt zu haben.
Eine Telefonnummer in Litauen eben ...

05 Juli 2009

Mehr als tausend Gäste

Am 6. Juli 2009 feiert Litauen seinen Nationalfeiertag und gleichzeitig auch die erste Erwähnung seines Namens vor 1000 Jahren. An diesem Tag soll im Jahre 1253 Mindaugas zum König gekrönt worde sein.
Die erste Erwähnung des Namens "Litauen" steht aber im Zusammenhang mit der christlichen Missionierung. Genau beschrieben wird dies aktuell in einer Mitteilung der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Zitat: In der mittelalterlichen Chronik der »Quedlinburger Annalen« notierte eine Quedlinburger Stiftsdame unter dem Jahr 1009, dass der Missionsbischof Brun von Querfurt, genannt Bonifacius, zusammen mit seiner Gefolgschaft im Grenzgebiet von Russland und Litauen erschlagen wurde (»in confinio Rusciae et Lituae«).
Eine Abschrift dieser seit Jahrhunderten verschollenen Originalhandschrift befindet sich im Besitz der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und wird nun erstmals im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Namensjubiläum Litauens im Kunstmuseum in Vilnius gezeigt. Die obige Abbildung ist in guter Auflösung auf den Dresdner Webseiten zu sehen.

Sicherlich mehr als tausend Gäste sind bei den heutigen Feierlichkeiten in Litauen anwesend. Es ist eine der letzten Amtshandlungen des litauischen Präsidenten Valdas Adamkus, diese in Vilnius zu begrüßen. Sechs Tage später, am 12.Juli 2009, wird seine Nachfolgerin und neue litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite ins Amt eingeführt.

Die offizielle Webseite der Feierlicheiten "lietuva1000" bietet leider für diejenigen, die nicht Litauisch sprechen, nur wenig Informationen. Auch die englischsprachigen Texte sind nur sehr allgemein gehalten. Also: man muss wohl am besten dabei gewesen sein (eine Reihe Politiker und Honorarkonsule waren eingeladen - die anderen müssen auf das Glück hoffen, gerade in dieser Woche ihren Urlaub in Litauen zu verbringen).

Das gilt auch für das vom 1.-6.Juli 2009 stattfindende litauische Sängerfest (in ungewohnter Konkurrenz zum baltischen Nachbarn Estland, dort ist am gleichen Wochenende REGULÄR das große Sängerfest). Kurze Filmclips davon sind hier zu sehen.

Außerdem wird der neu restaurierte alte Herrscherpalast der Großfürsten Litauens ebenfalls heute feierlich eröffnet - aber dessen Innenleben ist noch weit von d
er Fertigstellung entfernt, die Restaurierung innen musste mangels Finanzen abgebrochen werden, die Staatskassen sind leer. "Feier im Zeichen der Krise" titelt denn auch, darauf Bezug nehmend, die "Volksstimme" in Magdeburg. Allein schon das Bestreben, möglichst würdig zu feiern, wird ja auch eine Stange Geld gekostet haben: so werden heute die dänische Königin Margarethe II., Schwedens König Carl XVI. Gustaf und der norwegische Regent Harald V. in Litauen erwartet. Lettland, Polen, Georgien, die Ukraine und Finnland sind durch ihre jeweiligen Präsidenten vertreten, Deutschland lediglich durch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (Quelle: Pressemitteilung Präsident Adamkus).

Schauen Sie heute mal in Ihre Tageszeitung: 1000 Jahre Litauen, für deutsche Medien kein Thema? (eine rare Ausnahme bildet "der Standard" mit der Überschrift "Litauen ... in Zusammenhang mit Hinrichtung erstmals urkundlich erwähnt" - schöne Schlagzeile?)

Ein anderer Gratulant war immerhin US-Präsident Obama (per Glückwunschschreiben, siehe Baltic Times)

26 Juni 2009

Litauische Taufe für deutsche Offshore-Technik

"Wind machen" - beziehungsweise Strom daraus - das ist das erklärte Ziel der BARD Engeneering GmbH mit Sitz in Bremen. Die Region Bremen und Bremerhaven entwickelt derzeit einen Technologieschwerpunkt für die zukünftigen Offshore-Windenergieanlagen, die weit draußen auf dem Meer stehen sollen und den Anteil der Windenergieerzeugung in Deutschland erhöhen sollen.
Um dieses Ziel erreichen zu können, müssen die neuen Anlagen demnächst auf dem offenen Meer installiert und gebaut werden. Dabei soll ein Spezialschiff helfen, dass jetzt im Auftrag der BARD Engeneering in Litauen getauft wurde: Erna Bekker, eine Tochter des BARD-Gesellschafters Dr. Arngolt Bekker, taufte das auf der litauischen Werft "Western Shipyard WSY" (Vakaru Laivu Gamykla) gebaute Schiff auf den Namen „Wind Lift I“ (Abbildung WSY).

Immerhin wurde noch eine Bank gefunden, die einen Kredit für den Bau zur Verfügung stellte (UniKredit, eine italienische Banken-Holding) - das muss in diesen schwierigen Zeiten vielleicht mal betont werden. Es wird aber kaum jemand in Frage stellen, dass Windenergie als Zukunftstechnologie gilt, wo gute Gewinne aus dieser Branche erwartet werden, wenn die nötigen Investititionen und Installationen erstmal erreicht sind und in Betrieb gehen können. Der in Planung befindliche Windpark soll nordwestlich der Insel Borkum entstehen, dafür müssen die einzelnen Anlagen in 30m Tiefe fest verankert werden.

Technische Details zur "Wind Lift 1", entnommen der Presseerklärung der Herstellerfirma: "Das selbst fahrende Kranschiff ist alles in allem fast 104 Meter lang und 36 Meter breit. Die „Wind Lift I“ wiegt rund 7.500 Tonnen wird von vier schwenkbaren Ruderpropellern mit je 1.100 kW Leistung angetrieben. Sie verfügt neben einem Schwerlast- und einem Hilfskran über eine besondere Konstruktion am Heck, mit der die drei bis zu 90 Meter langen Rammrohre der speziellen BARD-Fundamentstruktur exakt positioniert werden können."
Ab August 2009 sollen mit Hilfe des Schiffes bereits vor Borkum die ersten Fundamente gesetzt werden.

Weitere Berichte zum Projekt:
Frankfurter Rundschau

Wirtschaftswoche

Die Welt

Lietuvas Rytas (mit Fotos von der Schiffstaufe!)

DIE ZEIT

Werft "Vakaru Laivu Gamykla"

Stiftung Offshore Windenergie

BARD Engeneering

25 Juni 2009

Bayern spielt in Litauen

Bayern München spielt in Litauen? Mit der besten Mannschaft? Kann das wahr sein? Ja, erstens ist es Tatsache, und zweitens wird es schon in diesem Sommer passieren. Es geht um die Frauen-Fußballmannschaft des FC Bayern München, die in Deutschland Vice-Meister geworden ist und nun eine Qualifikation zur Champions-League bestreiten muss.

Der Fußballverband UEFA hat diese "Frauen-Königinnen-klasse" neu geschaffen (siehe UEFA-Info dazu). Zum Treffen von litauischen und deutschen Fußballerinnen kommt es durch die vom 30.Juli bis 4.August 2009 in Litauen stattfindenden Qualifikationsspiele zur Championsleague. Neben Bayern München als deutschem Vicemeister, den Schottinnen von Glasgow City LFC und dem Frauenteam von Norchi Dinamoeli aus Tblisi in Georgien nehmen aus Litauen die mehrfachen Frauenfußballmeisterinnen von "Gintra Universitetas" aus dem nordlitauischen Šiauliai teil. Auch 2008 war Gintra schon Teilnehmerin dieser Qualifikationsrunde, kam als Gruppenzweiter aber leider nicht weiter (verlor nur gegen das russische Team aus Perm, die es anschließend bis ins Endspiel schafften).

Frauenfußball in Litauen? Viel ist darüber bisher nicht bekannt in Deutschland. Der Club "Gintra Universitetas" immerhin findet sich auf allen gängigen internationalen Fußballseiten (Weltfußball) eine Kurzinfo. "Gintra" ist im nordlitauischen Šiauliai beheimatet, und hat mit Raimonda Kudytė eine der erfahrensten litauischen Fußballspielerinnen in ihren Reihen.
Aber auch Karin Danner vom FCB gibt auf der Vereins-Webseite zu:
"Über den Spielort, die dortigen Verhältnisse sowie die Gegner Gintra und Norchi wissen wir noch sehr wenig."

"Tubukas" - offensichtlich Gintra-Fan - hat im Internet einige Fotos von den Matches der Gintra ins Netz gestellt.
Bei deutschen Sportfreunden der "Netzathleten" dagegen ist von einem "Abenteuer Litauen" zu lesen, als stärkster Gegner für Bayern-Frauen werden hier die Schottinnen aus Glasgow angesehen.

18 Juni 2009

Kein Exportschlager: Radioaktives Heizmaterial

Aktuell geht es in dieser Woche in der deutschen Presse bezüglich Litauen um weniger erfreuliche Schlagzeilen. Wieder einmal ist von Radioaktivität die Rede, glücklicherweise nicht von Unfällen in Atomkraftwerken.

Es geht um Holzpellets, also Heizmaterial, dass von Litauen nach Italien exportiert wurde. Mehrere zehntausend Tonnen mussten jetzt in Italien vom Markt genommen werden, da sich bei ihnen eine Belastung mit dem hochgiftigen Cäsium 137 gezeigt hatte. 250 Lastwagenladungen wurden bereits von der italienischen Polizei beschlagnahmt. Gefährlich wird es bei den belasteten Produkten, sobald die Pellets verbrannt werden

Einige Nachrichtenagenturen und -Portale berichten ausführlich dazu (DPA, AFP, N-TV). Produziert worden seien diese Pellets von der Firma Uab Granul Invest im litauischen Alytus. Die Firma gehört zum Konzern STORAENSO, ist eigenen Angaben zufolge der größte Hersteller von Holzpellets in den baltischen Staaten und produziert unter anderem auch noch im estnischen
Imavere und im lettischen Launkalne. Das Gesamtunternehmen möchte gern größter Pellets-Produzent Europas werden - so ist es auf der FirmenWebseite zu lesen. Die Pellets werden offenbar unter dem schön klingenden Namen NATURKRAFT verkauft.

Der deutsche Energiepellet-Verband (DEPV) beeilt sich zu erklären, dass derzeit auf dem deutschen Markt keine Holzpellets aus Litauen verwendet werden (Presseerklärung). Nach Angaben von DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele könne der Bedarf nach Holzpellets in Deutschland komplett vom heimischen Markt gedeckt werden. Der Verband hatte vor kurzem erst, gemeinsam mit dem Umweltverband NABU,
ökologische Richtlinien und Mindeststandards für die Produktion dieser Pellets gefordert und gemeinsam mit dem NABU gemeinsame Leilinien dafür vorgeschlagen. Holzpellets werden zumeist aus Holzspäne hergestellt, die in Sägewerken entstehen und dann zu Pellets gepresst werden.

Gerne werden auch Tests zitiert, dass Heizen mit Holzpellets klimaneutral erfolgt, also die Umwelt weniger schädigen als Heizssysteme mit Öl oder Gas (Solarserver).

Wer allerdings Holzpellets aus Litauen beziehen möchte, kann dies sicherlich tun, auch ohne das der Energiepellet-Verband davon Kenntnis haben müsste. Das zeigt auch eine Herstellerliste, die bei FORDAQ und IHB im Internet einsehbar ist - dort sind ganze 61 Hersteller aus Litauen verzeichnet.
Es sind daher auch Warnungen zu lesen, die darauf hinweisen, deutsche Nutzer von Holzpellets könnten ihren Bedarf auch durch Bestellungen im Internet oder bei Ebay decken.

Nun wird spekuliert, woher die Verunreinigung der litauischen Holzpellets mit Caesium 137 kommen kann. Südtirol online zitiert den
Chef der Landesumweltagentur Südtirol, Luigi Minach, mit der Aussage, seiner Meinung stamme das verwendete Holz aus Beständen, die beim Reaktorunglück von Tschernobyl 1986 verseucht worden seien.

Die Zeitschrift "Markt & Trends" veröffentlichte 2007 einen Branchenbericht zum Thema "Holzpellets aus dem Baltikum". Dort wird beschrieben, dass die Hersteller in Litauen wie auch in Lettland nur vom Export leben können (meist verschifft über den Hafen Klaipeda), da der einheimische Markt noch schlecht entwickelt sei (was zur These passt, Litauen habe eigene Anstrengungen im Energiebereich zu lange und zu einseitig nur auf Atomkraft fixiert). Bekannt waren um die Jahrtausendwende, als die Verwendung von Holzpellets in Litauen eingeführt wurde, eher einfache Hackschnitzel aus Holz. "Markt & Trend" damals: "die Länder sind reine Produktionsstandorte für mitunter transnational agierende Großproduzenten." Hier ist auch von Holz die Rede, das aus der Ukraine oder Weißrussland zur Produktion von Pellets nach Litauen eingeführt wird.

In verschiedenen Internetforen wird derzeit diskutiert, was die Konsequenz aus den jetzt aufgedeckten Problemen sei. Ein interessanter Gedankengang ist dabei, dass - wenn schon radioaktiv belastete Hölzer zu Heizmaterial verarbeitet werden - dann sei auch deren Verarbeitung zu Brettern oder Möbeln wahrscheinlich. Also: Augen auf behalten!

Und zum Schluß die Überraschung: Pellets aus Litauen beziehen? Mit ein klein wenig suchen war sogar eine deutschsprachige Seite für die Direktbestellung (eine Firma in Stuttgart) auffindbar. Inklusive eines protzenden Werbefilms, eingestellt bei YouTube. Es gibt sogar einen Blogger (Mürztal), der behauptet, die Verseuchung der Holzpellets sei den litauischen Herstellern sogar bekannt. Na dann: viel Spaß damit!


Infos zum Thema:

Stiftung Warentest