12 August 2016

Litauens Angst vor Atomkraft - beim Nachbarn

Litauen warnt vor Atomkraftwerken? Das ist ziemlich neu. Noch in den 1990iger Jahren erzeugte das Riesen-AKW Ignalina etwa 80% des litauischen Energiebedarfs, und obwohl von derselben Bauart wie der Unglücksreaktor von Tschernobyl legten litauische Regierungen regelmäßig große Selbstsicherheit an den Tag, Ignalina könne mit ein paar kleinen Verbesserungen noch jahrzehntelang laufen.
Der EU-Beitritt machte dem ein Ende

Mehrfach versuchten die nachfolgenden Regierungen, doch noch neue AKWs zu bauen: 2008 durch eine Volksabstimmung (die mangels Beteiligung ungültig war), 2012 wieder (mit Mehrheit für die Atomgegner). Die Stilllegung der Ignalina-Blöcke wurde immer wieder verzögert, 2009 war es dann soweit. Und noch nach 2012 gab es Pläne ausgerechnet mit Hilfe von japanischen Investoren ein neues AKW zu bauen.

Nun ist die litauische Regierung besorgt ... wegen möglichen Atomunfällen. Der Nachbar Weißrussland ist dabei, nur 45km von Vilnius entfernt in Astravets eine Atomanlage zu bauen. Das litauische Außenministerium äusserte sich besorgt über die Intransparenz mit der die zuständigen weissrussischen Behörden vorgehen (gut, könnte man sagen - bisher wurden die meisten Atomanlagen von sehr undurchsichtig arbeitenden Betreibern erstellt). Vielleicht schwenken die litauischen Regierenden ja noch ins Lager der Atomkritiker über? Aber soweit ist es wohl noch nicht. Vorerst ist die litauische Besorgnis wohl nur ein diplomatischer Reflex.
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